Gewichtheben. Jahrbuch 1983
Unablässige Aufmerksamkeit für die Ausbildung des Nachwuchses
Deutsche Zusammenfassung von Tyazhelaya Atletika. Ezhegodnik 1983 (Moskau: Fizkultura i Sport, 1983), S. 3–6: der Text ist eine Paraphrase, keine Übersetzung; Datentabellen sind vollständig mit deutschen Beschriftungen wiedergegeben; Abbildungen sind die Originalbilder.
Ausgangslage
- Ziele für 1983: die VIII. Spartakiade der Völker der UdSSR (eine Prüfung für den Nachwuchs, vor allem in den schwachen Gewichtsklassen, und eine Quelle neuer Kandidaten für die Nationalmannschaft) sowie die Welt- und Europameisterschaft in Jerewan.
- Bilanz 1982: 66 Weltrekorde (UdSSR 41, Bulgarien 20); über 600 neue Meister des Sports und 82 Meister des Sports internationaler Klasse, davon 9 Finalisten der III. Allunions-Jugendspiele (zum 60. Jahrestag der UdSSR); der Welt- und Europameistertitel von Ljubljana, nur knapp vor Bulgarien errungen.
Bulgariens Vorsprung aus der Sicht von L’Équipe
- UdSSR: Das riesige Reservoir erneuert die Spitze immer wieder, doch die Heber müssen sich im eigenen Land ständig behaupten, und manche kommen ermüdet zur Weltmeisterschaft; im vereinsgebundenen System wacht jede Sportgesellschaft über ihre eigenen Interessen.
- Bulgarien: rund 2 000 Heber; Athleten von internationalem Niveau verlassen das Vereinssystem und trainieren jahrelang planmäßig unter Iwan Abadschijew; Kinder beginnen angeblich mit 8 Jahren, um mit 18–19 anzutreten; strenge medizinische Kontrolle macht sechs Stunden Training am Tag möglich.
- Die Autoren stimmen dem zu, dass enge Ressortinteressen sowjetischer Trainer und Funktionäre die zentralisierte Vorbereitung untergraben können.
Der Fehlschlag der Junioren 1982
- Die Junioren in São Paulo und die Jugendlichen beim Turnier „Druzhba“ (Katowice) versagten. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft gewann Bulgarien 8 Goldmedaillen, die UdSSR 2 — dieselbe Bilanz wie 1980 in Montreal, doch damals war der Kampf ausgeglichen; die bulgarische Mannschaft von 1982 stützte sich auf Heber der Jahrgänge 1963–64, der jüngste, Suleimanov, war noch keine 15 Jahre alt.
- Ursache: Der Juniorentrainerrat unter L. W. Tschuchrow — ungesunde Atmosphäre, Verwaltungsakte und Losungen statt Erziehungsarbeit — verlor seine Autorität; der Rückstand auf Bulgarien wuchs, besonders in den leichten Gewichtsklassen. Schuld trägt auch das Nachwuchssystem insgesamt.
- Erholung: Bei der Junioren-Europameisterschaft in Haskovo (Bulgarien) gewann die UdSSR 5 Gold, 2 Silber, 2 Bronze; Bulgarien 4 Gold, 4 Silber, 1 Bronze und einen 4. Platz.
Tabelle. Ergebnisse der stärksten Nachwuchsheber der UdSSR und Bulgariens bei der Junioren-Welt- und -Europameisterschaft 1982
Zweikampfergebnis (Reißen + Stoßen), kg, nach Gewichtsklassen. 0 — kein Zweikampfergebnis; — — kein Starter.
| Wettkampf / Mannschaft | Gewichtsklasse, kg | |||||||||
| 52 | 56 | 60 | 67.5 | 75 | 82.5 | 90 | 100 | 110 | +110 | |
| Junioren-Weltmeisterschaft (São Paulo) | ||||||||||
| UdSSR | 220 | 0 | — | 297.5 | 350 | 385 | 390 | 0 | 375 | 385 |
| Bulgarien | 250 | 250 | 280 | 335 | 345 | — | 392.* | 395 | 395 | 400 |
| Junioren-Europameisterschaft (Haskovo) | ||||||||||
| UdSSR | — | — | — | — | 355 | 360 | 400 | 390 | 432.5 | 375 |
| Bulgarien | 235 | 252.5 | 292.5 | 340 | 350 | — | 395 | — | 417.5 | 402.5 |
* Die Vorlage druckt „392,2“, was als Zweikampfergebnis nicht möglich ist; die letzte Ziffer ist vermutlich beschädigt (wahrscheinlich 392.5).
Was die Tabelle zeigt
- Zwischen beiden Wettkämpfen steigerte sich Bulgarien in jeder Gewichtsklasse außer 52 kg, die UdSSR nur bei 75, 90, 100 und 110 kg — und zu ihrer EM-Mannschaft gehörte Ju. Sacharewitsch (110 kg), der bereits zwei Jahre der Nationalmannschaft der Erwachsenen angehörte.
- Vor den beiden Wettkämpfen steigerten sich jeweils nur 2 von 10 sowjetischen Junioren: vor der Weltmeisterschaft S. Li (75 kg) und I. Arsamakow (82.5 kg), zum zweiten Mal Junioren-Weltmeister; vor der Europameisterschaft W. Kusnezow (75 kg) und W. Solodow (90 kg). Sie stellen 5 von 10 Junioren der Hauptkandidatenliste für 1983.
- 1982 bestand die Wettkampfmannschaft der Erwachsenen erstmals ausschließlich aus früheren Hebern der Junioren-Nationalmannschaft.
Die Lücke in den leichten Gewichtsklassen
- Problem: Der gesamte Zuwachs besteht aus Mittel- und Schwergewichten. Für die leichten Klassen fehlen Auswahlkriterien und Trainingsrichtlinien; Jungen bis 44 kg (typisch für 12–14-Jährige) konnten keine Leistungsklasse erwerben und schieden aus, und die Trainer, die nach der Zahl der von ihnen herangebildeten eingestuften Sportler beurteilt werden, hatten keinen Grund, sie zu halten.
- Maßnahmen:
- ab 1983 Einstufungsnormen für 40 und 44 kg; die Norm des Anwärters auf den Meister des Sports bereits ab 48 kg;
- die Sportschulen (DYuSSh, SDYuShOR) müssen ≥ 50% der Anfänger- und Trainingsgruppen mit Jungen der leichten Klassen besetzen, ausgewählt vor allem nach der Körpergröße;
- eigene Wettkämpfe, Trainingslager und Wettkampfbestimmungen zugunsten der „Mangelklassen“;
- Altersgruppen des Nachwuchses: 13–14 Jahre (bis zur Republikebene, 40 bis über 75 kg), 15–16 Jahre (Allunionsebene, 44 bis über 90 kg), 17–18 Jahre (Meisterschaft der UdSSR, 48 bis über 100 kg).
Schlussfolgerungen
- Die Arbeit an der Basis muss sich grundlegend verbessern — in den Sportgesellschaften (DSO), den Ressorts, Republiken, Gebieten, Schulen und Vereinen.
- Ungenutzte Reserven: die Armeesportklubs (überhaupt keine Nachwuchsarbeit) und der Bereich des Bildungsministeriums der UdSSR.
- Am Lehrstuhl für Gewichtheben des GTsOLIFK wird unter A. S. Medwedew, Verdienter Meister des Sports und Verdienter Trainer der UdSSR, ein einheitliches, nach Unterrichtsstunden gegliedertes Programm erarbeitet.